Da ist zunächst Nikolaus von Gayling.

Nikolaus ist Karl Marx, dem äußeren Anschein nach, außerdem hartnäckiger Sitzer und Kaffeetrinker. Ersteres finden die Chinesen sehr amüsant und sorgt für immer wieder neue Selfis, zweiteres treibt mich zur Unruhe und letzteres die Chinesen regelmäßig in Verweiflung. Weil Tee kochen können sie halt besser.

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©Simone Harre

Nikolaus von Gayling ist Stadtrat in Freiburg und zusammen engagieren wir uns für die Freundschaft zwischen China und Deutschland. Nicht der wirtschaftliche Aspekt reizt uns, sondern der menschliche.

Zu diesem Zweck haben wir einen chinesisch-deutschen Freundeskreis gegründet, Schwerpunkt Freiburg-Qingdao. Die Treffen finden etwa alle zwei Monate in Freiburg im Schloss Ebnet statt. Gemeinsames Essen am großen, runden Tisch steht im Vordergrund. Kulturelle Beiträge, Ideen aller Art können jederzeit eingebracht werden.

Und da wäre Wang Bo.

Genau. Er ist einer der vielen Wangs. Nennt sich darum König und Reiseleiter, kann aber das Reisen nicht ausstehen. Dennoch sagen die Reiseleiter in China einhellig über ihn, er sei der Beste von ihnen. Viele halten ihn aber auch für seltsam oder, freundlich gemeint, für exotisch, weil er zwanghaft philosophische Alltagsbetrachtungen äußert und diese literarisch auf wechat postet.

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©Simone Harre

Er selbst nennt sich vielleicht genau darum „Neurotiker“, was ich absolut nicht passend finde. Doch wir werden uns über diesen Begriff nicht einig. Bo ist ein auszgezeichneter Hütehund. Liebevoll, aufmerksam, umsichtig und sorgend, aber er ist auch stur und bockig. Wenn er „Neurotiker“ ist, dann ist das so. Wenn ihm ein Interviewpartner nicht passt, dann ist das auch so. Ich mag, was Bo schreibt und ich mag, dass er auf alles antwortet, was ich ihn frage. Also fast. Und ich mag, dass er die gleiche Lieblingsnovelle von Stefan Zweig hat wie ich: Briefe einer Unbekannten. Ähnlich wie Nikolaus zieht er sitzende Tätigkeiten vor, allen voran an seinem Schreibtisch, und ist auch seit geraumer Zeit, vielleicht darum, im chinesischen Nirwana abgetaucht. Vermutlich hat er irgendwo seine eremitische Höhle gefunden und reist nun doch konsquent nicht mehr.

Und da ist deswegen auch Shasha.

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©️SimoneHarre

Sie hat interkulturelle Medien studiert und ist Doktorandin der deutschen Linguistik. Puh! Viereinhalb Jahre Deutschland und Expertin deutscher Partikeln. Shasha ist Begleiterin der ersten Stunde all meiner Interviewreisen. Also aus der Ferne. Sie machte mir Mut, vermittelte hier und da Kontakte, übersetzte vieles, unterstützte, wo sie konnte, und noch besser: Jetzt, da sie wieder nach China zurück gekehrt ist, reist sie auch mit mir! Kurzum: Sie ist schlau, verlässlich, kompetent und kann spielend leicht komplexe Gedankenstrukturen zwischen China und Deutschland hin und her manövrieren. Das ist schon was. Shasha ist Chef. „Ich habe lange Nerven!“, sagt sie. Hat sie. Fährt Rolltreppe in der U-Bahn. Ich laufe. Sie kann die Haare nicht kurz genug tragen. Ich nicht zu lang. Sie weiß, was sie will, ich auch. Und gemeinsam betreiben wir einen Blog auf Wechat, der Zitate meiner deutschen und chinesischen Interviews präsentiert. Bald wird Shasha an der Tongji-Universität in Shanghai unterrichten. Und dann, liebe Studenten, passt auf… die Frau mit den deutschen Partikeln ist eisenhart, voll super nett und toll!

:-)))

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